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Typische Symptome einer Arthrose
Was tun, wenn sich erste Anzeichen einer Arthrose bemerkbar machen? Welches sind die Symptome? Und: Sind Sport und Bewegung auch dann noch ratsam?

Schmerzen im Gelenk: ein Symptom der Arthrose.
Die häufigsten Symptome einer Arthrose sind Schmerzen, Schwellungen, Überwärmung, Gelenksteife, Gelenkgeräusche und Deformitäten. Es ist besonders wichtig, schon bei den ersten Anzeichen den Bewegungseinschränkungen aktiv entgegenzuwirken.
Schmerzen
Ob das Brennen der Haut nach dem Sonnenbad oder die Verspannung im Nacken nach einem harten Tag im Büro – Schmerz hat eine lebensnotwendige Warnfunktion. Akuter Schmerz kann meist relativ einfach behandelt werden und geht schnell wieder vorbei. Arthrosepatienten aber haben oft chronische Schmerzen, die entweder immer wiederkehren oder sogar stetig andauern. Das beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen stark.
Arthroseschmerzen entstehen nicht unmittelbar durch das Aufeinanderreiben der geschädigten Gelenkknorpel. Denn der Knorpel selbst besitzt keine Nerven, die das Schmerzsignal an das Gehirn weiterleiten. Die Schmerzen werden meist durch eine Entzündungsreaktion in der Gelenkflüssigkeit hervorgerufen: Durch Reibung der rauen Knorpeloberflächen bilden sich oft kleine abgestorbene, frei im Gelenk schwimmende Teilchen. Diese führen zu einer erhöhten Produktion von Gelenkflüssigkeit (Gelenkerguss), die den Knorpel vor weiterem Abrieb schützen soll. Häufig enthält der durch Arthrose bedingte Gelenkerguss jedoch auch zellgiftige Substanzen, die Entzündungen hervorrufen und somit Schmerzen im betroffenen Gelenk verursachen.

Um sich selbst zu schützen, bildet das Gelenk kleine Knochensporne.
Neben Entzündungen können auch Knochensporne schmerzhafte Beschwerden hervorrufen. Wird das Gelenk dauerhaft durch Abrieb gereizt, bildet es kleine Knochenauswüchse (Osteophyten), um die belastete Knochenfläche zu vergrößern und damit die Belastung besser zu verteilen. Diese Sporne aber führen zu Irritationen und Verletzungen der mit Nerven durchzogenen Gelenkinnenhaut, die sich daraufhin häufig entzündet. Durch Arthrose bedingte Muskelverkürzungen, Bandschäden oder Meniskusschäden können ebenfalls Entzündungen der Gelenke hervorrufen und Schmerzen verursachen.
Je nach Grad der Gelenkabnutzung werden verschiedene Arten von Arthroseschmerzen unterschieden.
Anlaufschmerz
Der Anlauf- oder Loslaufschmerz ist ein charakteristisches Symptom, das vor allem in frühen Stadien einer Arthrose auftritt. Der Anlaufschmerz entsteht bei Belastung nach längerem Ruhen in den betroffenen Gelenken. Mit anhaltender Bewegungsdauer bessert sich der Schmerzzustand allmählich, da durch die Bewegung wieder ausreichend Gelenkflüssigkeit in den Gelenkspalt gespült wird. Fließende Bewegungen wie Fahrradfahren, Schwimmen oder Laufen sind in der Regel noch schmerzfrei möglich. Bei übermäßiger oder zu langer Beanspruchung der Gelenke kann der Schmerz jedoch als Ermüdungs- oder Belastungsschmerz zurückkehren. Dieser wird häufig von Schwellungen und Rötungen der betroffenen Regionen begleitet. Ruhe und Entlastung der Gelenke führen hier zu einer Besserung.
Um den Anlaufschmerz zu vermindern, sollte das betroffene Gelenk zuerst ohne Belastung bewegt werden. Es empfiehlt sich, das Knie, den Arm, oder das Bein zunächst ganz ohne Belastung ein paar Mal locker hin und her zu schwingen. Dabei wird die Gelenkflüssigkeit gleichmäßig verteilt, was die Gleiteigenschaften verbessert und in der regel anschließend schmerzfreie Bewegung auch unter Belastung ermöglicht.
Ruhe- oder Dauerschmerz
Der Ruhe- oder Dauerschmerz ist ein konstant anhaltender Schmerz, der in einem fortgeschrittenen Stadium der Arthrose auftritt. Zu diesem Zeitpunkt läuft im Gelenk bereits ein entzündlicher Prozess ab. Man spricht in dieser Phase der Erkrankung von einer aktivierten Arthrose. Hier ist das betroffene Gelenk geschwollen, oft auch gerötet, heiß und schmerzt sehr. Da die Schmerzen häufig auch in der Nacht auftreten, leiden viele Betroffene zusätzlich unter Schlafstörungen.

Rötungen, Schwellungen und Überwärmung sind Zeichen einer Entzündung.
Ruheschmerzen mit Rötungen, Überwärmung und Schwellungen sind die Zeichen einer bestehenden Entzündung. Diese ist eine Abwehrreaktion auf einen schädlichen Reiz, gegen den der Körper sich mit der Entzündungsreaktion zu wehren versucht. Eine akute Entzündung hat die Aufgabe, eingedrungene Erreger unschädlich zu machen und eventuell geschädigtes Gewebe wieder zu reparieren. Die durch Arthrose bedingte Entzündung entsteht meist durch kleine Knorpelspäne in der Gelenkflüssigkeit.
Auch bei aktivierter Arthrose gilt: viel Bewegung und wenig Belastung. In diesem Stadium der Erkrankung ist jedoch besondere Vorsicht geboten, um das entzündete Gelenk nicht zusätzlich zu reizen. Da durch die mangelnde Bewegung die gelenkumgebenden Muskeln und Sehnen in Mitleidenschaft gezogen werden, kann zu lang andauernde Schonhaltung zu hochgradiger Bewegungseinschränkung führen, die dann langfristig behandelt werden muss. Daher ist es besonders wichtig, das Gelenk sofort nach Abklingen der Entzündung wieder vorsichtig und im Laufe der Zeit immer stärker zu bewegen. Sportliche Belastung sollte bei aktivierter Arthrose allerdings ganz vermieden werden.
Gelenksteife
Häufig kündigt sich eine beginnende Arthrose durch Gelenksteife nach längeren Ruhephasen (meist am frühen Morgen) an. Die Gelenke lassen sich nur noch schlecht oder kaum mehr bewegen, sie fühlen sich gespannt und „müde“ an. Ist die Erkrankung noch nicht sehr weit fortgeschritten, lässt die Bewegungseinschränkung meist nach kurzer Zeit wieder nach. Sie entsteht durch krankhafte, übermäßige Vermehrung der Gelenkflüssigkeit und dadurch bedingten Platzmangel/Druck in der Gelenkkapsel.
Weitere Ursachen der Steife in den Anfangsstadien der Arthrose können eingeklemmte und durch die Entzündung gewachsene/geschwollene Schleimhautfalten, gerissene Meniskus- oder Knorpelteile oder verletzte Bandanteile sein. Gelenksteife hat häufig Muskelverkürzung oder Muskelverhärtung zur Folge, welche wiederum die Beweglichkeit des erkrankten Gelenkes einschränken können.
Gelenkgeräusche (Krepitationen)
Das Knie knackt beim In-die-Hocke-Gehen, die Schulter knirscht am frühen Morgen? Hin und wieder ist das ganz normal. Solche Geräusche entstehen durch Verschiebungen der Gelenkflüssigkeit von einem Gelenkteil in einen anderen. Ein lautes Knacken wie von einem Ast, der bricht, oder trockene Reibegeräusche deuten allerdings auf eine mehr oder weniger ausgeprägte Knorpelschädigung hin: Arthrose. Diese Geräusche werden durch lappenartige Knorpelformationen, tiefe Risse und andere Deformationen verursacht.
Der Unterschied zwischen normalen und krankhaften Gelenkgeräuschen ist nur schwer herauszuhören; treten allerdings gleichzeitig Schmerzen auf, ist dies immer ein Krankheitssymptom. Wachsende Knochenformationen (wie Sporne oder sogar gelenkflächenartige Anbauten) können sich an den umgebenden Sehnen reiben. Manchmal springen die Sehnen dann über die Knochendeformationen, was man deutlich hört und was zugleich sehr weh tut.
Gelenkdeformitäten
Bleibt die Arthrose lange unbehandelt, kann es zu den typischen Verformungen der Gelenke kommen. Diese Gelenkdeformitäten beeinträchtigen häufig die Funktionalität der Gelenke, sodass schmerzfreie Bewegung kaum mehr möglich ist. Grund dieser Deformationen sind meist Muskelverkürzungen und vermehrter Knorpelverschleiß. Ist der Gelenkknorpel bereits vollständig zerstört, spricht man von einer ausgebrannten Arthrose.
Diagnostische Möglichkeiten bei Arthrose
Eine Arthrose wird meist erst dann diagnostiziert, wenn der krankhafte Gelenkverschleiß bereits im vollen Gange ist. Denn die Patienten gehen meist erst dann zum Arzt, wenn sie Schmerzen haben. Dann aber ist der Knorpel meist schon stark geschädigt. Auch in einem frühen Stadium hätte der Arzt gute Möglichkeiten, krankhaften Gelenkverschleiß zu erkennen.
Die ärztliche Untersuchung
Bei der ärztlichen Untersuchung erstellt der behandelnde Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese. In einem Gespräch informiert sich der Mediziner dazu über die Krankengeschichte des Patienten. Er befragt ihn unter anderem über dessen Sportgewohnheiten und ob er einer gelenkschädigenden Arbeit nachgeht. Für die Diagnose einer Arthrose sind insbesondere frühere Verletzungen der Bänder und Knochen am betroffenen Gelenk wichtig. Auch die Art der Beschwerden gibt dem Diagnostiker Aufschluss darüber, ob es sich tatsächlich um Arthrose handelt. Leidet der Patient beispielsweise unter Schmerzen, ist eine genaue Beschreibung der Art des Schmerzes von Bedeutung.

Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt die Gelenke sorgfältig ab.
Bei der körperlichen Untersuchung prüft der Arzt die Beweglichkeit der Gelenke. Dazu gehört auch die Tastuntersuchung des Gelenks und der Umgebung. Der Mediziner untersucht den Körper nach signifikanten Merkmalen wie Achsabweichungen, Muskelverhärtungen, Narben, Schwellungen oder Deformitäten der Gelenke. Wichtig ist auch festzustellen, ob bereits Funktionseinschränkungen des Gelenks vorliegen.
Bildgebende Verfahren
Röntgen
Die Röntgenuntersuchung ist das entscheidende Verfahren zur Diagnostik einer Arthrose. Allerdings kann zu Beginn der Erkrankung der Röntgenbefund noch unauffällig sein, da der beschädigte Knorpel selbst im Röntgenbild nicht zu sehen ist.

Röntgenbild eines Kniegelenks
Ist die Arthrose bereits fortgeschritten, sind die Folgen des Knorpelverlustes – wie Verengungen des Gelenkspaltes, Knochenanbauten am Gelenk (Osteophyten), Zysten oder Deformierungen – auf dem Röntgenbild gut zu erkennen. Die Untersuchung gibt dann Aufschluss darüber, wie weit der Gelenkverschleiß bereits fortgeschritten ist, und dient zur Beurteilung der Gelenkgeometrie. Müssen speziellere Aspekte der Erkrankung abgeklärt werden oder besteht der Verdacht auf ein sehr frühes Stadium der Arthrose, kommt meist die Magnetresonanztomographie zum Einsatz.
Magnetresonanztomographie (MRT)

MRT-Aufnahme eines Kniegelenks
Die Magnetresonanztomographie (auch Kernspintomographie genannt) ist ein hochempfindliches Diagnoseverfahren. Bei der Untersuchung können schon sehr früh – bereits dann, wenn das Röntgenbild noch unauffällig ist –, Knorpelveränderungen und Verletzungen anderer Gelenkteile wie der Bänder festgestellt werden. Allerdings ist die MRT-Untersuchung zeitaufwendig und teuer. Der Kernspin kommt deshalb nur dann zum Einsatz, wenn andere Verfahren nicht ausreichen.
Ultraschall (Gelenksonographie)
Mit dem Ultraschall wird das Bindegewebe um das Gelenk sichtbar gemacht. So kann der Arzt bereits kleine Gelenkergüsse und Flüssigkeitsansammlungen erkennen. Muss der Arzt das erkrankte Gelenk punktieren, um die Flüssigkeit zu untersuchen, lässt sich Erguss mittels Ultraschall gut lokalisieren, und auch die Nadelführung kann damit gut kontrolliert werden.
Operative Diagnostik
Arthroskopie (Gelenkspiegelung)

Die Arthroskopie ermöglicht den Einblick tief in das Gelenk
Bei der Arthroskopie wird ein optisches Gerät durch kleine Schnitte in das betroffene Gelenk eingeführt. So lässt sich der Knorpel untersuchen und beurteilen. Die Diagnosemethode ist sehr genau, zuverlässig und bereits in einem Frühstadium der Arthrose einsetzbar. Allerdings ist für die Arthroskopie eine Narkose nötig. Wie bei jedem operativen Eingriff, kann es auch bei der Arthroskopie zu Komplikationen wie beispielsweise Blutungen, Entzündungen und Nervenschäden kommen. Daher wird die Gelenkspiegelung nur selten allein zur Diagnose eingesetzt, sondern häufig mit einer therapeutischen Maßnahme kombiniert: zum Beispiel mit einer „arthroskopischen Gelenktoilette“, bei der erkrankter Knorpel geglättet und das Gelenk gespült (Lavage) wird.
Gelenkpunktion
Die Gelenkpunktion wird meist dann vorgenommen, wenn sich im erkrankten Gelenk ein Erguss gebildet hat. Dafür wird eine kleine Nadel eingeführt und Flüssigkeit abgesaugt. Das Ultraschallbild hilft dem Arzt, die Lage der Nadel zu kontrollieren. Anschließend wird die entnommene Gelenkflüssigkeit im Labor analysiert.
Laboruntersuchung
Die Analyse von Blut oder entnommener Gelenkflüssigkeit im Labor zeigt nicht an, ob der Patient tatsächlich unter einer Arthrose leidet. Der Grund: Es gibt keine spezifischen Arthrose-Marker. Die Laboruntersuchung dient vielmehr dazu, bei bestimmten Symptomen andere Krankheiten – wie rheumatoide Arthritis oder Gicht – als Ursache auszuschließen.
Video vom: 15.12.2008
Text aktualisiert am 17.04.2013
Bilder:Shutterstock (5), Wikimedia Commons/GNU Free Documentation License (1), Prof. Noack (3)
Glossar
Aktivierte Arthrose
Entzündungsreaktion des Gelenks aufgrund einer Arthrose
Anamnese
Vorgeschichte eines Patienten. Sie wird in Bezug zur aktuellen Krankheit gesetzt. Dabei werden biologische, psychische, soziale Gegebenheiten berücksichtigt. Im Idealfall gibt die Anamnese Aufschluss darüber, wie die aktuelle Krankheit entstanden ist.
Gicht (Arthritis Urica)
Durch ein Überangebot an Harnsäure hervorgerufene rheumatische Gelenkentzündung
Magnet-Resonanz-Tomografie (auch: Kernspin-Tomografie, MRT)
Diagnostische Technik ohne Strahlenbelastung zur bildlichen Darstellung der inneren Organe und Gewebe
punktieren
Entnehmen von Flüssigkeit mittels einer Hohlnadel aus Körperhöhlen oder Organen
Rheumatoide Arthritis
Gelenkentzündung, entzündliche Veränderungen an den Gelenkflächen mit Gelenkergüssen
Zyste
Kapselumschlossener Hohlraum im Gewebe











